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Zum Medienpaket Lianosowo

Lianosowo war eine Barackensiedlung am Rande Moskaus. Hier entstand Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre jenseits der staatlichen Zensur eine unabhängige Künstler- und Dichtergruppe, die zur Keimzelle der alternativen Moskauer Kulturszene wurde. 

In dem winzigen Barackenzimmer des Künstlerpaars Oskar Rabin und Walentina Kropiwnizkaja fanden wöchentliche Treffen statt. In Wohnungsausstellungen wurden Bilder gezeigt und im Rahmen häuslicher Lesungen Gedichte vorgetragen.

Lianosowo war einer der Freiräume, in dem sich vom offiziellen Dogma des sozialistischen Realismus abweichende ästhetische Positionen entwickeln konnten. Im Gegensatz zur heldenhaften Propaganda der sowjetischen Staatskunst lenkte die Lianosowo-Gruppe den Blick auf das reale, ungeschönte Leben, auf den tristen Lebensalltag der Vorstadt. Künstlerisch suchte man Anschluss an die Traditionen der Moderne und Avantgarde, die in der Stalinzeit verboten waren. Experimentelle Formen von Kunst und Literatur gewannen wieder an Bedeutung. Barackenpoesie wurde zum Begriff für die Dichtung aus Lianosowo, die in ihrer gesamten Einstellung eine Konfrontation mit dem barocken Glanz der stalinistischen Paradeästhetik anstrebte.