02 Raoul Hausmann
Complètes Poèmes Phonetiques, 1978

Die zentralen dadaistischen Lautgedichte von Raoul Hausmanns, die zwischen 1918 und 1946 entstanden, wurden von Henri Chopin von 1956 bis 1957 aufgenommen. R.L.Q.S. ist ein komplexes Lautgedicht, das Henri Chopin 1966 in Limoges aufnahm.
Seine Lautgedichte bezeichnete Hausmann als optophonetische Gedichte, da visuelle Typografie und akustische Realisierung miteinander verbunden sind. Die typografische Anordnung der Buchstaben dient neben der visuellen Darstellung als Partitur für den Vortrag. Unterschiedliche Schriftgrößen, Anordnungen und Abstände strukturieren Atemführung, Dynamik und Rhythmus der Aufführung und verleihen dem Gedicht zugleich seine visuelle Dimension. Hausmann löst Sprache vollständig in artikulatorische und akustische Prozesse auf und begründet damit auch seine Theorie der Optophonetik. Das letzte Stück dokumentiert Hausmanns Gespräche mit Vertreter*innen der französischen Lettristenbewegung und ermöglicht sein Werk historisch zu kontextualisieren.
Seine Werke hatten einen großen Einfluss auf spätere Künstler*innen der experimentellen Poesie und Klangkunst. Die Audio-Kassette gehört zu den wichtigsten Editionen der historischen Lautpoesie, da sie erstmals noch erhaltene phonetische Werke Raoul Hausmanns zugänglich macht. Drei zuvor separat erschienene S Press-Spulentonbänder (Nr. 3 bis 5, 1970/71) wurden für diese Veröffentlichung zusammengefasst.