09 Henri Chopin
Le Voyage labiovelaire / Le cri, 1972

Die beiden Klangkompositionen gehören zu Henri Chopins zentralen Audiopoems. Sie zählen zu den frühen Beispielen seiner elektroakustischen Klangpoesie, in der physiologische Stimmprozesse selbst zum Gegenstand der Komposition werden.
Die menschliche Stimme wird hier nicht als Träger sprachlicher Bedeutung, sondern als akustisches Material behandelt. Chopin interessiert sich nicht für die Stimme als Träger von Sprache, sondern für ihre körperliche Materialität. Er nutzt die Resonanzräume des Körpers, wie Rachenraum, Mundhöhle oder Nasenhöhle, um Geräusche wie Atmen, Keuchen, Flüstern, Schnalzen, Gurgeln, Zungenbewegungen, Kehlkopfgeräusche oder Lippenvibrationen elektroakustisch hörbar zu machen. Mit Hilfe von Mikrofonen, Tonbandgeräten, Mischpulten und Bandmanipulationen sind Körpergeräusche zu hören, die im alltäglichen Sprechen kaum wahrgenommen werden. Chopins Arbeiten stehen damit an der Schnittstelle von Lautpoesie, elektroakustischer Musik und Performance.
Die Audio-Kassette gilt als eines der paradigmatischen Beispiele für Chopins Konzept einer körperbezogenen Klangpoesie, in der der menschliche Körper selbst zum poetischen Instrument wird.