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Zum Medienpaket Kulturpalast

In den 1970er und 1980er Jahren entwickelten die Dichter*innen und Künstler*innen des Moskauer Konzeptualismus ein besonderes Interesse am politisch-ideologischen Milieu, in dem sie lebten. Sie setzten sich mit den Symbolen, Mythen und Ritualen der sowjetischen Massenkultur auseinander. Der Begriff Kulturpalast zur Charakterisierung dieser Szene ist dabei ironisch gemeint: Es geht nicht um die staatlichen Kulturpaläste, die der kulturellen Bildung und Freizeitgestaltung der sowjetischen Bevölkerung dienten, sondern um eine alternative Kulturszene, die sich vom Monumentalismus, Pathos und den klassischen Schönheitsidealen des sozialistischen Realismus abgrenzte.

Die Künstler*innen beschäftigten sich mit den sowjetischen Sprach- und Bilderwelten, beispielsweise mit den Propaganda-Losungen und Plakaten, die überall in Moskau zu sehen waren. Sie verband eine kritische Distanz zum Absolutheitsanspruch der herrschenden Kultur. Das Spektrum der Äusserungsformen reichte von minimalistischen Reduktionen der elementaren Bausteine der Sprache bis hin zu ironischen Stilisierungen von Formen und Genres der Massenkultur. Nicht zuletzt durch ihr anderes Sprechen, durch ihre intimen Intonationen unterschied sich die konzeptualistische Dichtung von der lautstarken Rhetorik der politischen Tribünenrede.